Margarita Calvary – Mit wachen Augen

Miniaturbild: Margarita Calvary – Mit wachen Augen

Präsentation zur Erinnerung an die Künstlerin Margarita Calvary

Margarita Calvary – Mit wachen Augen

Anlässlich des bundesweiten Festjahres „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ erinnert die Kunsthalle Schweinfurt vom 30. April bis 16. Mai 2021 mit einer kleinen Präsentation an die Künstlerin Margarita Calvary.

Margarita Calvary wurde am 30. April 1922 in Schweinfurt als Tochter des angesehenen Schuhfabrikanten Ludwig Silberstein geboren. Ihre musikalischen Talente und musischen Anlagen konnte sie als Jüdin unter dem menschenverachtenden nationalsozialistischen Regime ab 1933 nicht entfalten; auch der Schwimmunterricht im Ernst-Sachs-Bad, der heutigen Kunsthalle, wurde ihr untersagt. 1937 starb ihr Vater, den die Nazis enteignet hatten. Ein Jahr später gelang es ihrer Mutter und ihr, mit Unterstützung des älteren Bruders, nach Argentinien auszuwandern; dort heiratete sie den gebürtigen Berliner Ernesto Calvary.

Den äußeren Umständen geschuldet wandte sie sich daher erst verhältnismäßig spät der Bildenden Kunst zu. Ihr Werk umfasst Ölgemälde, Graphiken und Collagen. Ihre Motive fand Margarita Calvary zunächst in der gegenständlichen Welt. Doch schon bald löste sie sich davon und drang zu einem Spiel freier Formen vor, in denen nur selten noch Figürliches eine Rolle spielte.

2003 kehrte Margarita Calvary als Einzige der einst über 300 Schweinfurterinnen und Schweinfurtern jüdischen Glaubens in ihre Geburtsstadt zurück. 2016 ist sie dort verstorben.

Ihr künstlerisches Werk ist daher auch eine Erinnerung, ein Mahnmal, um wie viel reicher Schweinfurt sein könnte, wenn die Nachkommen der jüdischen Familien Silberstein, Mohrenwitz und Mendle, um nur einige zu nennen, heute noch unter uns lebten; reicher an Wirtschaftskraft, reicher vor allem aber an Weltoffenheit, an geistiger und kultureller Vielfalt.

„Mit wachen Augen“ lautet daher der Titel der Präsentation. Diese sind nicht nur in der Kunst gefragt. Demokratische Wachsamkeit ist von jedem von uns gefordert, damit sich die Gräuel des Dritten Reiches niemals wiederholen.


 

Abbildungen

Margarita Calvary, Firmament, 1997, Holzschnitt und Mischtechnik, 50 x 50 cm, Foto: Kunsthalle Schweinfurt/Julia Weimar © VG-Bildkunst, Bonn 2021

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