Hubert Berke - Retrospektive

Miniaturbild: Hubert Berke - Retrospektive

Alles in Einem, Eins in Allem

23. Juli – 17. Oktober 2021 in der Galerie im Quadrat der Kunsthalle

2021 steht für die Kunsthalle Schweinfurt im Zeichen des Informel. Was ursprünglich als Ausstellung aus eigenen Beständen konzipiert war, entwickelte sich in den letzten Monaten als spannendes Kaleidoskop der übergegenständlichen oder informellen Kunstäußerungen, die, beginnend mit Hubert Berke, in mehreren Facetten, an unterschiedlichen Orten (Kunsthalle Schweinfurt, Kunstverein, Sparkassengalerie) und über mehrere Monate gezeigt werden.

Auf den Westflügel des ehemaligen Hallenbades ist die hochkaratige städtische Sammlung mit wichtigen Vertretern der Künstlergruppen um ZEN 49, Quadriga, junger westen, Neue Aachener Gruppe, gruppe 53 u.a. konzentriert. Seit Jahrzehnten steht vor allem die Münchener Künstlergruppe ZEN 49 im Fokus der Schweinfurter Ausstellungstätigkeit. Mit Unterstützung der Forschungsstelle Informelle Kunst am Institut für Kunstgeschichte der Universität Bonn, zahlreicher Nachlässe, privater Sammlungen, Museen und namhafter Galerien wird 2021 der Blick ganz bewusst auf eher unbekannte Künstler dieser Nachkriegszeit gelenkt, um ihr Oeuvre (wieder) einem größeren Publikum bekannt zu machen.

Als eine spannende Wiederentdeckung kann vor diesem kunsthistorischen Hintergrund das Werk von Hubert Berke (1908-1979) gelten, der als gebürtiger Westfale häufiger an den Werkschauen von ZEN 49 beteiligt war und sich mehr als seine Malerkollegen mit der Kunst Ostasiens und der buddhistischen sowie taoistischen Gedankenwelt ernsthaft auseinandersetzte. 1947 rief er mit Joseph Faßbender, Hann Trier, Hermann Schnitzler und Toni Feldenkirchen die „Alfterer Donnerstag-Gesellschaft“ ins Leben, ein kreativer Ort für eine ausgezehrte Gesellschaft von Politikern, Kunstschaffenden, Literaten, Museumsleuten und Kulturinteressierten, die sich nach Lesungen, Vorträgen, Diskussionen und Konzerten sehnten. Berkes überaus spannende Vita und sein mehrfach ausgezeichnetes Oeuvre wird von einer Professur an der TH Aachen von 1960-73 gekrönt. Unter dem Eindruck seines Lehrers Paul Klee wendet sich Hubert Berke in den 1950er Jahren konsequent – auch unter dem Einfluss von zeitgenössischer Musik – einer informellen Formensprache zu. Bereits 1954, viel früher als andere, schuf er hoch ästhetische, originelle Nagelobjekte aus Fundstücken. Besonders durch die Zusammenarbeit mit den Koryphäen der modernen Kirchenarchitektur, Dominikus und Gottfried Böhm sowie Hans Schilling, wurde der Künstler auch als Glasgestalter im sakralen Raum tätig.

Das Vermächtnis des Künstlers wird heute mit großen Engagement von seinen Kindern in der Erbengemeinschaft Hubert Berke in Wesseling bei Köln bewahrt und gepflegt.

Bildnachweis: VG Bild-Kunst, Bonn 2021

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