Robert Reiter. Landschaftslust

Miniaturbild: Robert Reiter. Landschaftslust

10. Juni – 11. Juli 2021 in der Galerie im Quadrat der Kunsthalle

Robert Reiter. Landschaftslust

Im Juni zeigt die Kunsthalle Schweinfurt, während die Große Halle in Vorbereitung der Triennale V umgebaut wird, Werke des großen Graphikers Robert Reiber in der Galerie im Quadrat. Während die Natur(-spaziergänge) in der Corona-Pandemie eine völlig neue Würdigung erfahren, kann dieser Coburger Künstler zusätzlich neue Perspektiven eröffnen. Seine Malerei und Druckgraphik-Unikate stehen dafür im spannungsvollen Dialog. Die Bandbreite reicht von Versatzstücken des alten Roms, über fränkische Landschaften bis zum jungen Berlin – und vom Figürlichen mit scharfem Blick, bis zur empfindsamen Abstraktion und Liebe zu Landschaftsstrukturen: eine Reminiszenz auf Reiters „junge wilde“ künstlerische Herkunft.

Häufig machen bei Reiters Radierungen besondere und unerwartete Blickwinkel den Reiz aus. Steil nach oben schauen die Betrachter etwa am Pantheon in Rom bis zur Rotunde, auf der die gewaltige antike Kuppel aufsitzt. Auch das Kolosseum radiert Reiter nicht im Ganzen wie auf einer touristischen Postkarte, sondern wählt den mysteriös atmosphärischen Ausschnitt eines Schachtes mit umgefallenen Säulen innerhalb des antiken Monuments. Neben diesen wohlüberlegten Standpunkten findet Robert Reiter große Freude an den Texturen und Strukturen, die ihm im Alltag oder reisend begegnen. Der Künstler regt zum Entdecken an und lädt die Betrachtenden auch dazu ein, selbst genauer hinzusehen und ganz persönlich neue Perspektiven ihres eigenen Lebensumfeldes zu erkunden!

Seine radierten Striche wirken im Druck ausgebrochen und individuell, sind gekonnt schnell skizziert und impulsiv gezogen. „Der wilde Reiter“, wie der Künstler im Gespräch selbstironisch bemerkt. Aber auch gestisch malerische Effekte zeichnen seine spontan erscheinende Graphik aus: Reiter bedient sich hierfür der Monotypie, die als direktes Abdruckverfahren der auf der Platte aufgetragenen Farbe jedes Blatt zum Unikat macht. In der Kombination entstehen einzigartige Werke, die dem in der Ausstellung angestrebten Dialog mit der vermeintlich spektakuläreren Malerei standhalten können! 

Die Liebe zur Landschaft lernte Robert Reiter auch in seiner fränkischen Heimat kennen. 1932 wurde er in der Nähe von Preßburg geboren. Sein Studium absolvierte Reiter bei Anton Marxmüller und Xaver Fuhr an der Akademie der Bildenden Künste in München. Dort stand er in regem Austausch mit innovativen Kräften der Kunstszene, unter anderem mit Größen wie Helmut Sturm und Lothar Fischer, die später die auch politisch „junge wilde“ Gruppe SPUR mitbegründen sollten. 

Nicht zuletzt, weil die Kunsthalle diesen süddeutschen Kreativen den Nordflügel gewidmet hat, fügt sich Robert Reiter allzu passend ins Haus, sondern genauso durch seine regionale Verankerung. Ab 1959 war er als Kunsterzieher in Coburg tätig, wo er im näheren Umland sein Wohn- und Atelierhaus pflegt. Franken als Arkadien? Die schier zahllosen Druckgraphiken zu hiesigen Landschaften und historischen Dörfern lassen die Affinität des Künstlers wie zu einem solchen Sehnsuchtsort spüren. 

Teile dieser Ausstellung schenkt Robert Reiter der Kunsthalle Schweinfurt großzügig als deren sicheren Hafen. Dafür gilt dem Künstler unser größter Dank!

 



Workshop zur Ausstellung:
 

Samstag 3.7., 10 bis 14 Uhr

Kunsthalle, Rüfferstr. 4

Künstler-Workshop zur Ausstellung „Landschaftslust. Robert Reiter“ mit dem Künstler Robert Reiter und Anne Hess: „Einfach Drucken – Radiernadelkunst zum Kennenlernen“ (ab 14 Jahre)

Materialkosten: 4,00 EUR, Voranmeldung bei Elisa Möller (09721 – 51 4744 / elisa.moeller@schweinfurt.de)

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